Interview

Vier Fragen an Philipp Riccabona

Wie sind Sie zur Verkehrserziehung gekommen?
Jemand in meinem nahen Umfeld hatte in jungen Jahren, verursacht durch ein schweres Fehlverhalten eines anderen Verkehrsteilnehmers, einen lebensbedrohlichen Verkehrsunfall erlitten. Dieser Vorfall hat mich persönlich in meinem Leben dahingehend geprägt und bestärkt, im Straßenverkehr regelkonform unterwegs zu sein und besonders achtsam zu fahren. Im Rahmen meines Studiums, welches u.a. eine verkehrspsychologische Schwerpunktsetzung bot, erhielt ich ein tieferers Verständnis für die Hintergründe des fahrauffälligen Verhaltens. Die universitäre Ausbildung gab mir den Rahmen, das bisherige Angebot in der Verkehrserziehung über verschiedene Institutionen hinweg mit meinem Projektvorhaben zu bereichern. Beim Mobilitätsklub ARBÖ sah ich das Potential, mich in meiner Arbeit auf mehreren Ebenen verwirklichen zu können.

Was für Schwerpunkte hat dieses Projekt?
Das Programm gliedert sich in zwei Teile, die separat von den Schulen gebucht werden können. In einem Modul geht es um die Aufdeckung von Gefahren rund um den Schulweg der Kinder vom Übergang der Primar- in die Sekundarstufe. In einem anderen Modul konzentrieren wir uns auf Gefahren des illegalen Mopedtunings, des Alkoholkonsums und der Ablenkung im Kontext der Mopedfahrt. Gerade im Mopedalter gibt es Wissenslücken, die in der Fahrschulausbildung bedingt durch den begrenzten Zeitrahmen nur unzureichend kompensiert werden können. Doch eine Verkehrserziehung kann nur dann tatsächlich wirken, wenn wir auch die Gefühle und die Einstellungen der Kinder und Jugendlichen ansprechen und damit letztendlich ihr Verhalten beeinflussen können. Dies ist mein Leitbild in der Verkehrserziehung.

Für welche Schulstufe sind die Programme angelegt?
Für die Sekundarstufe. Ich finde, für dieses Alter und besonders im Übergang von der Primar- zur Sekundarstufe, gibt es noch nicht genug Angebote, und es ist zudem ein gutes Alter für die Verkehrserziehung. Die Schülerinnen und Schüler zeigen sich sehr offen für diese Informationen. In der wissenschaftlichen Literatur ist außerdem belegt, dass Schülerinnen und Schülern bei Projektarbeiten die Expertise von Gastreferenten besonders schätzen.

Wie kommt Ihr Modell der Verkehrserziehung bei den Schulen an?
Kurz gesagt, sehr gut. Einst für das Bundesland Tirol entwickelt, nehmen mittlerweile auch zahlreiche Schulklassen in Salzburg und Vorarlberg die von mir entwickelten Programme wahr. Das erfüllt mich auf jeden Fall mit Stolz und zeigt, dass wir mit diesem Konzept den Puls der Zeit treffen.