Feines Finale

Dauertest Nissan Qashqai. Unser Jahr mit dem japanischen Kompakt-SUV war aufregend – er selbst war dabei vollkommen cool und problemlos.

Im Spätherbst vergangenen Jahres fuhr unser tintenblauer Nissan Qashqai über die Freie-FahrtDauertest-Ziellinie. Ein Jahr mit dem japanischen Kompakt-SUV war vorüber. Und es war ein aufregendes Jahr. Nicht wegen ihm, sondern wegen der weltweit wütenden Corona-Pandemie. Die sorgte nämlich dafür, dass der Qashqai im ersten Frühjahrs-Lockdown vom Fahrzeug zum Stehzeug mutierte. Und so ging unser Testjahr mit bescheidenen 19.000 km zu Ende – und auch ohne nennenswerte Einträge im Fahrtenbuch. Na gut, werden Sie jetzt denken, mit dieser Kilometerzahl kann ja eh nichts sein, da sollte doch alles einwandfrei funktionieren. Muss nicht – tat es aber!

Und genau das ist die große Stärke des unaussprechlichen Japaners: Er funktioniert. Nicht mehr und nicht weniger. Dass die aktuelle Generation schon einige Jährchen am Buckel hat und kurz vor der Ablöse steht, ist kein Geheimnis (siehe S. 6). Natürlich gibt es mittlerweile schon eine ganze Reihe an Konkurrenten, die moderner, fescher und technologisch fortschrittlicher sind als der Qashqai. Man merkt aber, dass dieses Auto jahrelang auf die Bedürfnisse seiner Kunden zurechtgetrimmt wurde. Und darum tut der Qashqai genau das, was er soll. Und so kann er noch punkten.

Feines Herz. Ein echter Gewinn ist dabei sein feiner 1,3-l-Turbobenziner mit 140 PS (wahlweise auch 160 PS). Der Vierzylinder geht überaus kultiviert, durchzugsstark und sparsam zu Werke, rund sechseinhalb Liter sind im Schnitt durchaus drin. Im Alltag ist man mit dem kleinen Turbo-Aggregat mehr als ausreichend motorisiert. Lediglich voll beladen und kräftig bergauf ging dem 1,3-l-Motörchen in den Bergen Südtirols einmal die Puste aus und es verlangte nach extra Drehzahl. Fahrerisch ist man im Nissan unkompliziert und angenehm unterwegs. Seine Lenkung ist dabei präzise, das Fahrwerk ausgewogen. Der Qashqai ist zwar kein Vollblut-Dynamiker, er fährt sich in Kurven dennoch auffallend freudvoll und sicher.

Nichts zu meckern gibt es beim Raumangebot. Auf knapp viereinhalb Meter Länge finden die Passagiere ausreichend Platz, selbst im Fond ist es für Langbeinige keine Qual. Die Sitze könnten eine Spur straffer sein. Nicht mehr ganz zeitgemäß präsentiert sich der barock geschwungene Arbeitsplatz in grauem Hartkunststoff. Dafür finden sich statt moderner TouchscreenBedienung mehrheitlich noch Tasten, was eine logische und sorgenfreie Steuerung aller Funktionen ermöglicht – da gibt es nichts auszusetzen. Die 430 Liter Kofferraumvolumen sind Klassendurchschnitt und dank doppeltem Ladeboden und Trennwand flexibel nutzbar.

Und so endet ein aufregendes Jahr – völlig unaufgeregt – in einem feinen Finale.

 

Nissan Qashqai 1,3 DIG-T - EUR 26.649,–

Motor: R4, 16V, Turbobenziner, 1332 ccm
Systemleistung:  103 kW/140 PS
Drehmoment: 240 Nm bei 1600/min
Antrieb: 6-Gang, manuell, Frontantrieb
L/B/H: 4394/1806/1590 mm
Eigen-/Gesamtgewicht: 1375/1870 kg
Kofferraum: 430–1598 l
0–100 km/h; Spitze: 10,5 s; 193 km/h
Anhängelast ungebr./gebr.:       687/1300 kg
Testverbrauch: 6,6 l/100 km
MVEG-Verbrauch komb.:    7,0/5,0/5,7 l/100 km
CO2-Emission: 130 g/km

ARBÖ-Fazit:

Plus: Toller Motor, kräftig und sparsam, angenehmes Fahrgefühl, einfache Bedienung.
Minus: In einigen Details nicht mehr ganz auf Höhe der Zeit, kein Allrad für Benziner erhältlich.