Viele Kiesel für das Glück

Kroatien. Je tiefer der Urlauber in den Süden des Adriastaates vordringt, umso feiner werden die Strände. Auf der Makarska Riviera und der Halbinsel Peljesac ist das Urlaubsglück perfekt. Auch für Aktive.

Kroatien. Je tiefer der Urlauber in den Süden des Adriastaates vordringt, umso feiner werden die Strände. Auf der Makarska Riviera und der Halbinsel Peljesac ist das Urlaubsglück perfekt. Auch für Aktive.

Der Wind säuselt leise in den Zwei gen der zerzausten Aleppo-Kie fern, ihr Schattenspiel am Boden wetteifert mit dem Funkeln der feinen Kieselsteine im Meer, das glasklare Wasser glitzert in allen Türkis- und Blautönen. Eine Vielzahl kleiner Badebuchten liegt eingebettet zwischen bizarren, goldgelben Felsformationen, an die sich windschiefe Pinien klammern: Romantischer als in Brela kann Strandurlaub nicht sein. Brela ist einer der Badeorte der Makarska Riviera, die unter Insidern als der mit Abstand schönste Küstenabschnitt Kroatiens gilt. Wer schon einmal hier an der dalmatinischen Küste war, wird das bestätigen – und kommt wahrscheinlich immer wieder.

Unmittelbar am Meer entlang verläuft eine viele Kilometer lange Strandpromenade, die für Autos gesperrt ist und nur den Badenixen, Fußgängern und Radfahrern gehört. Der gemütliche Spazierweg führt (vormittags noch schön im Schatten) von Bucht zu Bucht, Oleander blüht in Rosa und Weiß, Bänke laden zum Verweilen und vereinzelte Restaurants zur Stärkung ein. Dahinter steigt der Nadelwald steil an, Platz für eine Autostraße ist erst viel weiter oben. Ein ganzer Küstenabschnitt ohne Auto – das hat Seltenheitswert!

Zu den allerschönsten Stränden Brelas zählen Podracˇe und Punta Rata. Letzterer befindet sich in einem Naturschutzgebiet, auf einem mit einem Kiefernwald bedeckten Horn.

Beide belegen regelmäßig bei Rankings zu den besten Stränden Europas Spitzenplätze (Punta Rata etwa war 2021 auf Tripadvisor „Travelers’ Choice“). Nugal Beach zwischen Makarska und Tucˇepi ist eine von steilen Klippen umgebene Feinkiesbucht, nur zu Fuß erreichbar und das Paradies der FKK-Anhänger. Der Strand Berulia und die nahe Höhle Medvidina waren einst Lebensraum der Mittelmeer-Mönchsrobbe (Namensgeberin der Höhle), eine der am meisten gefährdeten Säugetierarten. Mit ihrer Unart, Fischernetze zu zerstören, machten sich die Robben die Küstenbewohner zum Feind und wurden nahezu ausgerottet. Doch in der letzten Zeit werden sie gelegentlich wieder gesichtet.

Typische Unterkunftsart in Brela sind kleine Apartments und Ferienhäuschen, die sich an die Hänge schmiegen und – je nach Lage – über lange oder kürzere Treppen erreichbar sind. Gesichtslose Hotelkästen gibt’s hier nur selten. Die Makarska-Riviera empfiehlt sich vor allem für sportlich Aktive (schon allein wegen der vielen Stufen). Sie finden ein umfangreiches Angebot: Radfahren und Joggen immer dem Meer entlang und an der Podrace-Strandpromenade lädt unter Schatten spendenden Pinien ein Street-Workout-Fitnessstudio zum Freilufttraining in würziger Meeresluft ein.

Wandern über dem Meer. Zwei Etagen weiter oben im Biokovo-Gebirge zwischen Küste und Himmel öffnet sich das Revier der Wanderfreunde. Vor Mitte, Ende September ist es in diesem karstig-kargen, nahezu baumlosen, bis zu 1700 Meter hohen Naturschutzgebirge allerdings zu heiß für ausgedehnte Touren. Holprige Maultierpfade führen durch von Menschenhand kunstvoll terrassiertes Terrain, fein säuberlich geschlichtete Steinmauern zollen Respekt vor dem einstigen harten Leben in dieser kargen Gegend. Die großartige Szenerie des dalmatinischen Hinterlandes wird von senkrechten Felswänden, bizarren Karsterscheinungen und silbrigen Olivenhainen geprägt. Am Weg liegen betagte Festungen und Kirchlein, urige Bergdörfer und so manch idyllische Quelle.

Die ungestümen Wasser des Flusses Cetina leisteten über die Jahrtausende ganze Arbeit und gruben einen spektakulären Canyon in die Landschaft. In der Schlucht tummeln sich die Kajaks und Raftingboote der (Wild-)Wassersportler, Wagemutige rutschen auf einer Zip-Line über die türkisblauen, schäumenden Fluten. Zur Adriamündung hin öffnen sich die steilen Felsflanken und machen einer günen Schilflandschaft und dem einstigen Seeräuberstädtchen Omiš Platz.

Neue Brücke auf Halbinsel. Kulturinteressierte zieht es auf die vorgelagerte Halbinsel Pelješac, ein touristisch noch wenig berührtes Juwel. Bis vor Kurzem war die Landzunge nur zeitaufwendig per Fähre oder gewaltigen Umweg über den Korridor von BosnienHerzegowina und von Süden her erreichbar. Doch nun, Ende Juni 2022 soll endlich die aufwendige, rund 2,4 Kilometer lange Pelješac-Meeresbrücke eröffnet werden. Diese soll die Anreise deutlich verkürzen (die Anschluss-Schnellstraßen sind allerdings noch in Bau).

Feine Kiesstrände, glasklares Meer, Natur pur und die besten Rotweine Kroatiens (Plavac Mali) erfreuen die Urlauber, als kulturelles Highlight dürfen sie das mittelalterliche Städtchen Ston auf der 1,5 Kilometer schmalen Landenge ganz im Süden von Pelješac nicht versäumen: zum einen wegen der vorgelagerten Fisch-, Muschel- und Austernfarmen, deren Produkte es in den örtlichen Konobe zu verkosten gibt. Zum anderen aber vor allem wegen der gewaltigen Festungsanlage, die die Seerepublik Ragusa (Dubrovnik) ab 1336 hier gegen die Bosnier errichten ließ (der Bau zog sich bis ins 18. Jahrhundert). Die stolze Wehrmauer zieht sich weit über die Hügel hin. Mit ihren 5,5 Kilometern ist sie die längste Steinmauer Europas und trägt den Spitznamen „chinesische Mauer Kroatiens“. 20 der 40 Wehrtürme sowie fünf Bastionen sind noch erhalten bzw. restauriert. Nun ist wieder sportlicher Einsatz gefragt: Über steile Stufen und Mauerreste geht es bergauf und bergab. Das einzigartige Erlebnis wird noch mit einem herrlichen Rundumblick getoppt.