Schneerausch mit Nordlichtzauber

Lappland. Frau Holle verwandelt die Tundra Nordfinnlands in eine gewaltige, in Watte gepackte Spielwiese für Outdoor- und Naturfreunde. Abenteuer gibt’s für jeden Geschmack – und über allem leuchtet der Zauber des Nordlichts.

Die Hunde kennen die Strecke genau, mach dir keine Sorgen“, beschwichtigt Musher Arvo. Es gilt, eine Runde mit dem Hundeschlitten durch die nächtliche Tundra im nördlichen Finnland zu drehen. Das Thermometer zeigt minus 20 Grad, doch der dicke Daunenoverall hält mich wohlig warm. Der Stehschlitten ist mit einem Gespann von sechs Hunden verbunden. Sie heulen zwar markerschütternd wie die Wölfe, sind aber zutraulich, lammfromm und für Streicheleinheiten zu haben. Und sie machen ihrem Namen alle Ehre: Schlittenhunde tun nichts lieber als laufen. Am liebsten im Schnee vor einem Schlitten. So muss der Musher (Lenker des Gespanns) nur mehr Gleichgewicht halten – und wenn es bergab geht, auf die Bremskrallen steigen, damit die Hunde nicht vom Schlitten überfahren werden.

Mütze festgezogen, Schneebrille aufgesetzt: Ich steige auf den Schlitten, halte mich am Lenkbügel fest – und schon traben die Hunde mit freudigem Gebell los. Ja, sie wissen genau, wo es langgeht. Der Mond taucht die wellige, tief verschneite Tundra-Landschaft in fahles Licht. Die Stille und Einsamkeit sind erhaben. Nur der Schnee, die Landschaft, die Huskys und ich. Plötzlich wabert grünliches Licht am Horizont auf, ein mystisches Farbenspiel beginnt: Gelb-grüne Lichtstreifen ziehen wie ein himmlisches Feuer über das Firmament. Das Polar- oder Nordlicht (Aurora borealis)! Welch magischer Moment! Ich möchte stehen bleiben, schauen, staunen, im Schnee niederknien. Doch die Hunde wollen nur laufen, laufen, laufen.

Unterwegs mit Rudi. Tags darauf habe ich mit anderen felligen Vierbeinern zu tun: mit Rentieren – hierzulande „Poro“ genannt. Sie dienen im hohen Norden als Fortbewegungsmittel, Statussymbol sowie Fleischlieferant. Das Finnland-Abenteuer heißt „RentierFührerschein“– natürlich eher eine JuxDisziplin. Diesmal sitze ich auf einem flachen Ackja-Schlitten hinter einem „Rudi“. Doch das Rentier ist weit weniger kooperativ als die Huskys. Nach wenigen Metern bleibt es stehen. Steht wie festgefroren. In Ermangelung einer Karotte kratze ich Flechten von den Bäumen und halte sie ihm vors Maul. Nichts. Kein Wunder, dass Rentieren der Ruf vorauseilt, störrischer als Esel zu sein. Ich lasse meinen Rudi einfach in der Tundra stehen und gehe allein zur Rentierfarm zurück. Den Führerschein bekomme ich trotzdem.

Wintermärchen. Der Schnee knirscht unter den Füßen, die Winterlandschaft ruht unter einer dicken Daunentuchent, die Bäume tragen ihr eisiges Festgewand. Weiße Wildnis und unberührte Stille, so weit das Auge reicht. Der Winter in Lappland, dem Norden Finnlands, ist ein ganz besonderes Erlebnis. Für jeden, nicht nur für hartgesottene Natur-Freaks. Ab Mitte, Ende Jänner klettert die Sonne nach ihrer Nordland-Winterpause wieder zaghaft über den Horizont und verwandelt die Tundra in kitschig-rosafarbenes Licht.

Levi, rund 170 Kilometer nördlich des Polarkreises, ist das größte und bekannteste Outdoor-Zentrum Finnlands, samt kleinem Skigebiet (45 km Pisten). Der lockere Pulverschnee ist legendär. Was das Outdoor-Resort in einer Seehöhe von 206 bis 531 Metern auszeichnet, ist sein breites Angebot an arktischen Abenteuern. Rasant geht es bei einer Motorschlitten-Safari zu: Rund um Levi ziehen sich 890 km gespurte Schneemobil-Routen durch die hügelige Tundra-Landschaft. Eingepackt in dicke Overalls, geht es am Motorschlitten mit bis zu 60 km/h beherzt zur Sache.

Weiters warten sportliche Angebote wie Langlaufen, Schneeschuhwandern, Eiskarting, Fatbike-Radfahren, Snowkiting sowie Erlebnisse unter dem magischen Nachthimmel. Bei einer Fahrt mit einem Eisbrecher durch das Polarmeer erlebt man die unglaublichen Kraft dieser Schiffe, die durch bis zu einem Meter dickes Eis pflügen. Hartgesottene können auch – verpackt in warmen Überlebensanzügen – ins eiskalte Wasser steigen und sich durch das Eismeer treiben lassen. Vor Kälte muss sich in Lappland niemand fürchten, die Sauna ist ein elementarer Bestandteil der finnischen Kultur und so gut wie allgegenwärtig.

Eine alte Tradition ist auch der Joulupukki – Weihnachtsmann. Er ist bekanntlich in Rovaniemi zu Hause und kann hier im Weihnachtsmanndorf besucht werden. Zu jeder Jahreszeit. Das hervorragend gemachte Museum Arktikum ebenhier zeigt alle Aspekte des Lebens nördlich des Polarkreises: Fauna, Flora, Geologie, Nordlichter, Geschichte und die Traditionen der Ureinwohner, der Samen. Der hohe Norden ist erstaunlich vielfältig und absolut faszinierend.