Land zwischen Wasser und Fels

Südschweden begeistert mit seiner Schärenküste, der vielseitigen Metropole Stockholm, idyllischen Städtchen und Schlössern, unberührter Natur und endloser Weite. Die perfekten Zutaten für einen Sommer(urlaub) wie damals.

Es gibt Landschaften, da möchte man am liebsten niederknien, so schön sind sie. Etwa die schwedischen Schären: Tiefblau glitzert das Wasser, dazwischen runde Granitnocken mit falunroten Holzhäuschen, unter zerzausten Kiefern verstecken sich kleine Buchten, im Wasser schaukeln Jachten. Die Schönheit dieser zerfransten Küstenlandschaft ist überwältigend!

Die Bezeichnung „Schäre“ kommt von „Skär“, schwedisch für Klippe. Ein „Skärgård“ (Schärenhof oder Schärengarten) ist ein Fleckerlteppich aus Tausenden Inselchen, entstanden in der letzten Eiszeit. Die Landformung ist noch nicht abgeschlossen: Jahr für Jahr wachsen die Schärenklippen um vier bis fünf Millimeter – das macht in 100 Jahren immerhin rund einen halben Meter.

Der der schwedischen Hauptstadt Stockholm vorgelagerte Skärgård besteht aus rund 30.000 Inseln, nur ein Fünftel der Fläche (6000 Quadratkilometer) entfällt auf Land. Jakob Rudberg kennt ihn wie seine Westentasche. Mit seinem Outdoor-Anbieter „Get Out Kayak“ offeriert er an drei Standorten Paddel-Touren durch diese Welt zwischen Land und Wasser – von einbis fünftägig, inklusive Übernachtung in der Wildnis. „Das Baltische Meer hier ist flach und salzarm. Es gibt keine Gezeiten, keinen Tidenhub, keine Strömungen und kaum Wind, dafür geschützte Buchten allerorts. Eine ideale Spielwiese für Kajakfreunde!“ Der junge Mann liebt es, mit seinen Gästen tagelang durch die Wildnis zu paddeln. „Je weiter draußen Richtung offenes Meer, umso einsamer wird es. Der äußere Skärgård ist nahezu unberührt. Natur pur! Hier kannst du tatsächlich die Stille hören.“

Ein gutes Stück südlich, im Stendörren-Naturreservat, finden Wanderfreunde ihr Revier. Das herrliche Schären-Schutzgebiet verdankt seinen Namen einem schmalen Sund, der wie ein „Steinernes Tor“ (Stendörren) eine der wenigen schiffbaren Verbindungen zwischen Stockholm und der Ostsee darstellt. Schicke Segeljachten ziehen vorbei, für größere Schiffe ist der Kanal zu schmal. Markierte Wanderwege, Hängebrücken und Stege verbinden die Inselchen mit dem Festland, Grillplätze (samt gratis Feuerholz) und Badestellen (Wassertemperatur bis 23 Grad) laden zur Rast ein.

Venedig des Nordens. Auch die schwedische Hauptstadt Stockholm ist nahe am Wasser gebaut: Sie besteht aus 14 Schäreninseln und 57 Brücken. 30 Prozent der Fläche sind Wasser, von der Landfläche entfallen 40 Prozent auf Wald, Wiesen und Parks. Die Altstadt liegt genau an der Grenze zwischen Salz- und Süßwasser, zwischen Ostsee und dem Mälarsee. Eine gewaltige Schleusenanlage überwindet einen Höhenunterschied von gut einem Meter.

Gamla Stan ist der älteste Stadtteil mit Wurzeln bis ins 13. Jahrhundert. Hier liegen das königliche Schloss und die Kathedrale Storkyrkan. Die schmalen, mittelalterlichen Gässchen führen vorbei an farbenfrohen Gebäuden zum Marktplatz Stortorget mit dem Nobelpreismuseum. Gemütliche Cafés laden zu einer „Fika“, der traditionellen schwedischen Kaffeepause, ein. In diesem Teil der schmucken Skandinavien-Metropole mit 2,3 Millionen Einwohnern im Großraum geht es sehr dörflich zu.

Das Bild ändert sich in der modernen Innenstadtinsel Norrmalm – der eigentlichen „City“ mit Geschäften, Büros und trendigen Restaurants. Auf der Insel Södermalm ballt sich Stockholms kreative Szene; der altehrwürdige Stadtteil Östermalm wiederum gibt sich mit Stadtpalästen und Promenaden elegant. Stockholm vereint auf faszinierende Weise Tradition und Moderne, Natur und Urbanität.

Der öffentliche Verkehr wird teilweise per Schiff absolviert. Ausflugsboote führen zum inneren Schärengarten, der mit Jugendstil-Villen und schmucken Sommerhäusern aus dem 19. Jahrhundert glänzt. Am Wasserweg geht’s auch zu Schloss Drottningholm, der privaten Residenz der schwedischen Königsfamilie. Schloss Gripsholm ist Schauplatz von Kurt Tucholskys gleichnamigem Liebesroman (empfehlenswerte Urlaubslektüre!)

Camper-Paradies. Der Süden Schwedens präsentiert sich generell als stilles Urlaubsparadies am Busen der Natur. Die unaufgeregte, sanft wellige Landschaft mit wogenden Getreidefeldern, verstreuten bunten Häuschen, gesunden Wäldern sowie Tausenden Seen spiegelt die sprichwörtliche Gelassenheit der Schweden wider. Schnell ist auch der Urlauber tiefenentspannt und im Slowdown-Modus.

Schweden ist über Deutschland und Fährverbindungen ab Rostock, Travemünde oder Sassnitz/Rügen auch gut mit dem Auto erreichbar. Campingfreunde finden hier ihr Paradies: Die Stellplätze („Ställplatser“) sind überaus großzügig dimensioniert, oft gibt’s sogar Sauna (die App Park4night weist den Weg).

Besonders komfortabel geht es an Bord eines Wohnmobils zu: Die steirischen Camping-Profis Gebetsroither vermieten Camper für zwei bis sechs Personen. Am Heck des Motor-Home reisen Fahrräder mit (Schweden ist ein perfektes Rad-Land!), der Strand liegt direkt vor der Tür, der nahe Bäcker versorgt mit leckeren Zimtschnecken und der Supermarkt mit frischem Fisch. Schwedenurlaub wie aus dem Bilderbuch!