E-Bike statt Ballermann

Mallorca. Die sonnenverwöhnte Baleareninsel ist seit Langem ein Dorado für

Rennrad-Fahrer. Nun etabliert sich langsam der E-Bike-Boom und ermöglicht auch gemütlichen Naturen südländischen Radgenuss.

Mallorca – Sonne, Strand, azur blaues Meer, Mittelmeeridyll. Die spanische Insel mit demganzjährig milden Klima hat seit etlichen Jahren bei sportlichen Gästen einen Namen als Rennrad-Paradies. Seit Kurzem schwappt ein Trend aus den Alpen auch auf die Baleareninsel über: die E-Bike-Mode. Radfahren, quasi mit permanentem Rückenwind, kommt auch unter der südlichen Sonne langsam in die Gänge. Zur großen Freude von nicht ganz so konditionsstarken Radsportlern. Die zahlreichen RennradUrlauber leisteten Vorarbeit: Mittlerweile gibt es eine perfekte Infrastruktur für Pedalritter jeder Art, Hoteliers und Gastwirtschaften sind perfekt auf diese Klientel – inklusive Profi-Radsportlern – eingestellt.

Touren und Strecken in allen Schwierigkeitsgraden erstrecken sich kreuz und quer über die Insel. „Die Radwege führen hauptsächlich über kleine, ruhige Nebenstraßen. Es gibt kaum Verkehr – und wenn, nehmen die Autofahrer viel Rücksicht auf die Biker. Ganz anders als in Österreich“, erzählt Mario Kraussler. Der gebürtige Steirer muss es wissen: Der Mallorca-Fan gründete 2018 gemeinsam mit Freunden in der Steiermark die iBike-Box, ein all-inclusive E-Bike-Verleih- und Serviceangebot für Hoteliers in Österreich – und nun auch auf der Baleareninsel. Im Rad-Stall bzw. der Box warten edle Haibikes. „Damit sind wir die Ersten und Einzigen auf Mallorca, die hochqualitative E-Bikes samt Wartung und Zusatzleitungen anbieten“, freut sich Kraussler. „Ansonsten ist es schwer, ein wirklich gutes Leih-E-Bike zu finden.“

Das Radwegenetz Mallorcas umfasst rund 1200 Kilometer und zeichnet sich durch eine unglaubliche landschaftliche Vielfalt aus. „Für jeden Geschmack ist etwas dabei“, plaudert Mario Kraussler aus der Schule. „Die Routen führen durch das touristisch wenig entdeckte, sehr idyllische Landesinnere, zu Traumküsten und Aussichtsbergen und ins Tramuntana-Gebirge. Und das Meer ist von keinem Ort weiter als 50 Kilometer entfernt!“

Insel der zwei Gesichter. Zur Sache geht es in der Serra de Tramuntana, da braucht man entweder sehr starke Wadel oder E-Unterstützung. Der bis zu 1443 m hohe Gebirgszug begrenzt die Insel im Westen auf einer Länge von 90 Kilometern gegen das Meer und findet nordwärts im Cap Formentor einen dramatisch schönen Ausläufer. Das wildromantische Landschaftsschutzgebiet Tramuntana ist zweifellos das schönste Revier für Naturfreunde und verkörpert das viel gerühmte „andere Mallorca“ abseits von Ballermann und den Massentourismuszentren im Süden der Insel.

Panoramastraßen (sowie zahlreiche Wanderwege) zwischen Berg und Meer schlängeln sich durch die wildromantische Berglandschaft, durch Steineichenwälder, silbrige Oliven- und duftende Orangenhaine. Dazwischen entzücken idyllische Bergdörfchen, die allerschönsten sind Estellencs, Banyalbufar, Esporles, Valldemossa, Deià, Sóller und Fornalutx. Im Norden lauft das Gebirge auf der Halbinsel Formentor aus, die sich drei Kilometer schmal über zwanzig Kilometer zum Cap Formentor hinzieht. Die Landschaft ist urwüchsig, windzerzaust und zerklüftet, dazwischen gefallen tief eingeschnittene Buchten, kleine Strände und aussichtsreiche „Miradores“. Das kaum verbaute Landschaftsschutzgebiet lässt sich am allerbesten per Fahrrad erkunden, denn die letzten 15 Kilometer sind für den motorisierten Verkehr gesperrt und ein Paradies für Radfahrer. Definitiv Ende ist bei der 170 Meter hohen Klippe von Cap Formentor samt Leuchtturm und Café. 272 Stufen führen hinunter zum Meer, bei klarem Wetter reicht die Sicht bis zur 40 Kilometer entfernten Nachbarinsel Menorca.

Städtejuwel Palma de Mallorca. Urbanes Highlight ist Palma de Mallorca: Völlig zu Unrecht wird die Inselhauptstadt mit knapp 300.000 Einwohnern von vielen Touristen links liegen gelassen. Die „Perle des Mittelmeeres“ ist reich an Geschichte und begeistert mit herrlichen gotischen Palästen sowie Modernisme-Prunkbauten (Jugendstil). Die engen Gassen der fein herausgeputzten Altstadt sind autofrei und können gemütlich zu Fuß erkundet werden. Ein schöner Radweg führt von der Kathedrale La Seu entlang der Palma Beach und dem ehemalige Fischerviertel Santa Catalina stets am glitzernden Meer.

Neues Angebot. ARBÖ-Kooperationspartner Retter-Reisen bietet als einer der ersten Veranstalter Österreichs E-Bike-Reisen auf Mallorca an. Die einzelnen Tagesetappen sind zwischen 31 und 65 Kilometer lang und klettern bis zu 1000 Höhenmeter pro Tag hoch. Rad-Profi Mario Kraussler relativiert: „Auf unseren Qualitäts-E-Bikes der Marke Haibike schafft jeder die Touren, der auch drei Stunden lang spazieren gehen kann. Die Routen sind technisch einfach und führen fast ausschließlich über kleine Asphaltstraßen. Abfahrten auf Schotterwegen gibt es nicht!“ Zwei erfahrene Guides aus Österreich begleiten und teilen die Radreisenden bei Bedarf in zwei Gruppen mit unterschiedlichem Tempo auf.

Außerdem – so ergänzt Kraussler: „Wem die Tagestouren zu wenig sind, der kann individuell erweitern. Die Akkus der Haibikes haben eine stolze Reichweite von 100 Kilometern. Damit kommt man auf der kleinen Insel überallhin!“