Durchs Land der Skipetaren

Albanien. Mit dem Karoq Scout ging es im Rahmen der diesjährigen Skoda-Euro-Trek-Tour durch das Hinterland von Albanien von Tirana bis Korfu.

Rushhour in Albaniens Hauptstadt Tirana. Verkehrsregeln? Eher nur das physikalische Grundgesetz: Wo schon ein Körper ist, hat kein anderer Platz. Aber die Albaner haben ja auch erst 1991, sechs Jahre nach dem Ableben ihres kryptokommunistischen Diktators Enver Hoxha, mit dem privaten Autoverkehr anfangen dürfen. Dafür gibt’s heute in Albanien die größte Dichte an MercedesLimousinen im Spätabend ihrer Lebenszyklen.

Warum also Albanien? Weil Skoda schon vor einiger Zeit beschlossen hat, verweichlichte Journalisten und die gängigen SUV-Modelle des Hauses einmal im Jahr einem gnadenlosen mehrtägigen Offroad-Härtetest namens Euro Trek zu unterziehen. Nach Rumänien, Bulgarien, Nordmazedonien ging es diesmal in die albanischen Berge – ein Trip durchs Land der Skipetaren, das Karl May nie gesehen hat.

Tapfer. Unbeeindruckt ist da nur der Skoda Karoq Scout geblieben, mit seinem Allradantrieb, dem adaptiven Fahrwerk, dem hervorragenden Geländemodus, der hohen Karosseriesteifigkeit, der rätselfreien Bedienung und dem durchzugsstarken 190 PS starken Zwei-Liter-Turbodiesel. Geröllpisten, Anstiege auf über 2000 Meter Höhe, Gepolter kopfgroßer Felsen am Unterbodenschutz und Schlaglöcher in Badewannen-Format machten ihm nichts aus.

Gestützt auf diese Qualitäten kann auch der Fahrer durchaus entspannt bleiben, wenn auch bisweilen überwältigt von der Freundlichkeit der Menschen und der bizarren Schönheit dieses fremden Landes, sobald man die Städte hinter sich gelassen hat.

Links Felswand, rechts Schlucht oder umgekehrt, rostige Brücken für Mutige, Olivenhaine mit uralten Bäumen, tolle Panoramen, Ende Oktober noch Temperaturen bis 29 Grad, und was sich Straße nennt, gehört auch Schafund Rinderherden, Pferde- und Eselfuhrwerken. Dazwischen trifft man oft auf Hoxhas Hinterlassenschaft in Stahlbeton: Geschätzte 170.000 Bunker hat er dem Land verordnet zur Abwehr des Klassenfeindes, der aber nie gekommen ist, obwohl sich Hoxha der Reihe nach mit Tito, Breschnew und Mao überworfen hatte. Jetzt stehen sie halt da, die Bunker, steinerne Zeugen der Hoxha Paranoia. 70 Prozent der Fläche Albaniens sind von Gebirgen bedeckt, dazu kommen aber auch 360 Kilometer Küste mit wunderschönen Stränden. Auch die von den Skoda-Guides ausgesuchten Hotels haben tadellose Standards und es ist wohl nur noch eine Frage kurzer Zeit, bis die internationale Tourismuswirtschaft Albanien flächendeckend für sich entdeckt.
 

Licht & Schatten. Noch gibt es aber Euro-Trek-Abenteuer: Nach durchaus heftigen Offroad-Passagen ist Elbasan mit der größten Industrieruine des Landes (und früher ein Stahlwerk für Bunkerbau) und einem sehenswerten Prachtboulevard das Etappenziel. Weiter geht es über den Stausee Banje nach Berat, der Stadt der 1000 Fenster, mit christlichem und moslemischem Stadtteil und riesiger Burganlage, vorbei am „heiligen Berg Tomorr“, wo im August Bektaschi, Moslems und Christen auch gemeinsam feiern, obwohl Hoxha 1967 jede Religionsausübung verboten hat. Die Fahrt führt weiter an die OsumSchlucht, den „Grand Canyon Albaniens“ und über die Brücke von Dragot, ein stählernes Industriedenkmal italienischen Ursprungs, bis nach Gjirokastra (Weltkulturerbe seit 2005), der Stadt der 1000 Stufen mit ihren steilen Gassen, der gewaltigen Burg – und Hoxhas Geburtshaus, in dem heute ein ethnografisches Museum untergebracht ist. Am dritten Tag wartet eine letzte bergige Offroad-Passage, ehe die Küstenstadt Saranda am Ionischen Meer erreicht ist, die südlichste Stadt Albaniens mit der Burg Lekuresi und dem Blick bis nach Korfu.

Verdreckt bis zur Dachreling, aber ansonsten völlig unbeeindruckt, stehen unsere geschundenen Fahrzeuge schließlich auf der Fähre nach Korfu. Kein Defekt bei allen zehn Autos und trotz stundenlanger Geländeetappen ein Gesamtverbrauch von gerade einmal neun Litern Diesel. Man darf gespannt sein, was den Skoda-Leuten für 2020 einfällt ...