„Viel mehr als nur Sprit“

Im Gespräch: Wilfried Gepp - Die OMV feiert heuer 30 Jahre OMV-Tankstellen in Österreich. Wie sich seit damals das Geschäft rund um den Zapfhahn verändert hat.

Freie Fahrt: Vor 30 Jahren hat die damalige ÖMV mit dem Tankstellengeschäft in Österreich begonnen. Wie haben sich die Anforderungen in den vergangenen drei Jahrzehnten verändert?

WILFRIED GEPP: Die Welt von 1990 ist mit der von 2020 gar nicht mehr vergleichbar! Die Mobilität hat sich grundlegend verändert und damit auch die Ansprüche und Bedürfnisse unserer Kundinnen und Kunden. Darauf reagieren wir und forschen nicht nur kontinuierlich an der Verbesserung unserer MaxxMotion-Kraftstoffe, sondern erweitern auch unser Angebot für alternative Antriebsformen. Genauso stark haben sich aber auch alle anderen Bereiche entwickelt. 1990 konnte man tanken und vielleicht eine Kleinigkeit kaufen. 2020 genießen unsere Kundinnen und Kunden VIVA FAIRTRADEKaffee zu einem Croissant mit ZotterSchokoladenfüllung, während ihr Auto schonend gewaschen wird. Und dann können sie noch ihre Bankgeschäfte erledigen oder ein Paket aufgeben.

Der Job des klassischen Tankwarts hat sich grundlegend geändert. Ist technische Hilfestellung an der Tankstelle noch ein Thema?

Selbstverständlich sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den OMV-Tankstellen nach wie vor Anlaufstelle auch für technische Fragen. Wobei sich das im Normalfall auf das Nachfüllen von Scheibenklar oder die Wahl des richtigen Motoröls beschränkt. Auch die Autos haben sich seit 1990 weiterentwickelt und sind deutlich wartungsfreier geworden.


Die OMV bietet mit den VIVA Shops ein Gastro- und Shoppingangebot direkt an den Tankstellen. Welchen Stellenwert hat dieser Service künftig und wie wird er sich weiterentwickeln?

Als wir 1994 in Oberwart den ersten VIVA Shop eröffnet haben, war das ein komplett neues Konzept. Heute sind ja Shops an Tankstellen der Standard. Wobei wir mit VIVA ganz bewusst eine andere Strategie verfolgen, als unsere Mitbewerber. Anders als bei einer reinen Supermarkt-Kooperation wollen wir mit unserem VIVA-Konzept neben dem konventionellen Produktportfolio vor allem Genussmomente für unterwegs schaffen: Dazu setzen wir auf Kaffee in höchster Qualität und starke regionale Lieferanten, mit denen wir Produkte kreieren, die es nur bei OMV VIVA gibt – wie unser Croissant mit Zotter-Schokoladenfüllung.

Diesem Weg möchten wir auch weiterhin treu bleiben. Wir beobachten nicht nur die Trends innerhalb unserer Branche genau, sondern beschäftigen uns auch mit den großen Megatrends, welche unsere Gesellschaft und die Kundenbedürfnisse ganz fundamental verändern. Nachhaltigkeit ist natürlich eines dieser Themen. Gerade starten wir Kooperationen mit den Startups Unverschwendet und Too Good To Go, die beide verhindern, dass Lebensmittel weggeworfen werden.


Was kauft ein Kunde nach dem Tanken noch im Shop?

Rein statistisch gesehen eine Leberkässemmel, dazu einen Energydrink und dann einen Verlängerten zum Mitnehmen. Zumindest sind das unsere Top-Seller. Tatsächlich sind die Warenkörbe natürlich ganz unterschiedlich. Das geht von Semmeln und Milch für das Frühstück am Sonntag über die Klassiker für unterwegs wie Coffee to go und Sandwiches bis zum Plüschherz am Valentinstag. Auch unser Sortiment passen wir laufend an und versuchen, unsere Kundinnen und Kunden immer wieder mit etwas Neuem zu überraschen. Seit letztem Jahr legen wir unsere einzigartige Positionierung in der Tankstellen-Gastronomie auch auf ShopProdukte um und bieten Produkte unter der Marke VIVA an. Gestartet haben wir mit einem Eiskaffee und gerade haben wir je zwei Sorten Eistee und Vitaminwasser eingeführt.


Stichwort Elektromobilität: Was möchten Sie für Fahrer und Fahrerinnen von E-Autos künftig an den OMV-Tankstellen bieten?

Die OMV ist seit 2017 an SMATRICS beteiligt. Daneben bieten wir an einigen Tankstellen auch noch Ladesäulen von Ionity und Tesla an. Wir prüfen kontinuierlich, an welchen unserer Stationen E-Ladesäulen Sinn machen, und bauen das Netz bedarfsorientiert aus.

Ansonsten möchten wir Fahrerinnen und Fahrern von E-Autos aber genau dasselbe bieten wie allen anderen mobilen Kunden. Egal was das Auto antreibt, wir haben ja auch alles, was die Menschen antreibt. Unseren VIVA Kaffee oder leckere Sandwiches zum Beispiel.


Werden E-Auto-Fahrer aufgrund der längeren Ladezeit die besseren Kunden im Shop sein?

Bisher können wir diese Hypothese nicht bestätigen. E-Auto-Fahrer sind zwar durch die Ladezeit länger an der Station, kaufen aber nicht anders oder mehr im Shop als Kunden mit einem konventionellen Antrieb, die eine Pause machen. Nur weil man 20 Minuten Zeit hat, möchte man nicht gleich vier Verlängerte trinken. Auch wenn die bei uns wirklich ausgezeichnet sind.


Was ist im Bereich Erdgas und Wasserstoff geplant?

Die OMV war schon immer in der Vorreiterrolle bei alternativen Kraftstoffen. Wir betreiben seit 1997 ErdgasTankstellen und haben 2012 die erste Wasserstoff-Tankstelle Österreichs eröffnet. Da hat auch noch kein Mitbewerber nachgezogen, weshalb wir behaupten können, das einzige Tankstellennetz Österreichs mit allen drei zukunftsweisenden Technologien zu haben: Wasserstoff, Strom und Gas.


Wann werden die ersten synthetischen Kraftstoffe Einzug an der Zapfsäule halten?

Genauso wie Wasserstoff selbst sind auch wasserstoffbasierte E-Fuels eine zukünftige Option für klimaneutrale Mobilität. Der besondere Charme der E-Fuels ist, dass auch ältere Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor damit klimaneutral betrieben werden können. Die OMV beschäftigt sich deshalb auch mit diesen Kraftstoffen. Die Herausforderung bei E-Fuels liegt in der Verfügbarkeit von großen Mengen grünen Wasserstoffs bzw. der zu dessen Herstellung erforderlichen großen Menge nachhaltig erzeugter elektrischer Energie. Die Entwicklung und der Aufbau von großtechnischen Anlagen wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen, weshalb mit einer Verfügbarkeit von größeren Mengen E-Fuel wohl erst nach 2030 zu rechnen ist.


Wie wird die Tankstelle der Zukunft aufgestellt sein? Nur noch Tankomat-Tankstellen und Automaten oder auch Menschen?

Wir glauben, dass es auch in Zukunft Platz für beide Konzepte gibt. Denn beide Konzepte haben ihre eigene Zielgruppe. Viele Menschen brauchen nicht mehr als den Treibstoff für ihr Auto und wollen vor allem einen schnellen und bequemen Ablauf. Aber genauso viele Menschen wollen nicht nur ihr Auto betanken, sondern gleich auch noch Auto waschen, etwas einkaufen, einen Kaffee trinken, Lotto spielen oder ein Paket aufgeben. Eine OMV-Tankstelle bietet ja heutzutage viel mehr als nur Kraftstoffe.