Technik-Lexikon - Reifenpanne

Plattfuß – und kein Ersatzrad! Was taugen Reparatursets?

In den meisten Neuwägen gibt es kein Reserverad mehr. Stattdessen findet man Reifenpannensets mit Dichtmittel. Können diese im Pannenfall wirklich helfen?

Die Reifenpanne gehört noch immer zu den häufigsten Pannengründen in der Pannenstatistik. Über 3000 Reifenpannen hat der ARBÖ allein im Jahr 2021 bearbeitet.

„Grundsätzlich kein allzu aufwendiges Problem, das unsere TechnikerInnen gerne beheben”, weiß ARBÖ-Schulungsleiter Rupert Brugger, „wenn nur ein entsprechendes Reserverad an Bord wäre. Denn in der Zwischenzeit ist dieses nämlich kaum mehr in einem Neuwagen vorhanden. Und wenn, dann nur gegen Aufpreis.”

Stattdessen findet man im Kofferraumboden ein sogenanntes Reifenpannenset, das im Falle eines Plattens rasche Hilfe verspricht.

Dieses Reifenpannenset besteht meist aus einer Flasche mit Dichtflüssigkeit und einem kleinen Kompressor, der mit der 12-Volt-Spannung des Autos arbeitet. Im Falle eines Schadens wird das Dichtmittel über das Ventil in den Reifen gedrückt. Mit dem Kompressor kann man danach den Reifen wieder mit ausreichend Luft befüllen. Bei teureren Systemen erfolgt das Befüllen mit Luft und Dichtmittel oft auch zeitgleich.

So funktioniert’s: Der Gegenstand, der den Reifen beschädigt hat, muss zuerst entfernt werden. Die Beschädigung selbst darf eine Größe von wenigen Millimetern nicht überschreiten. Dann die Dichtflüssigkeit (meist auf Latexbasis) durch das Ventil in den Reifen einfüllen, sie soll mit ihren Bestandteilen die Schadstelle verkleben und diese weitestgehend abdichten. Kleine Beschädigungen können also schnell und mit wenig Aufwand selbst repariert werden, jedoch nicht dauerhaft. So weit die Theorie!

In der Praxis sieht dies aber meist anders aus, wie Versuche des ARBÖ zeigten. „Es ist schwierig bis fast unmöglich, das Dichtmittel sauber und richtig in den kaputten Reifen zu bekommen”, so Brugger. „Nicht zu sprechen von der Verschmutzung des Bodens. Und wenn der so reparierte Reifen danach in der Werkstätte gewechselt wird – mit diesem Notrad darf maximal bis in die nächste Werkstätte gefahren werden –, wird man um eine gründliche Reinigung (Kosten) der betreffenden Felge nicht herumkommen.”

Ein Reifendichtmittel stellt im besten Fall eine Notlösung dar, die eine Weiterfahrt bis zur nächsten Werkstatt ermöglicht. Eine professionelle Reparatur, die den Reifen dauerhaft abdichtet, ist nach Anwendung des Reifendichtmittels nicht mehr möglich. Ebenso besteht die Gefahr, dass durch das Dichtmittel die Reifendrucksensoren verklebt werden und ausfallen.

Befindet sich die Beschädigung des Reifens an der Seitenwand (z. B. beim Touchieren mit dem Randstein) oder ist der Schaden an der Lauffläche zu groß, führt kein Weg an einem Reifenwechsel vorbei. In diesem Fall ist man von den Herstellern plötzlich alleingelassen. Ein Reifenschaden ohne vorhandenes Ersatzrad bedeutet meist eine Abschleppung! Im Gegensatz dazu kann mit einem Reserverad die Fahrt gleich fortgesetzt werden.

Des Weiteren verfügen Reifendichtmittel über ein Ablaufdatum. Ist dies überschritten, muss es getauscht werden – ein weiterer Vorteil des Ersatzrads. Die Kosten für ein Reifendichtmittel können dabei bis zu 80 Euro betragen, manchmal auch mehr.

Unser Tipp: Lassen Sie bei einer Reifenpanne wenn möglich Ihr Fahrzeug mit dem ARBÖ abschleppen, bevor Sie mit dem Reifendichtmittel experimentieren. Das spart am Ende meist viel Ärger und Kosten ...