Straße & Schiene: Was derzeit geplant ist

Infrastruktur. Diese Bauprojekte werden derzeit in Österreich in Angriff genommen. Ein Blick auf die Straße, die Schiene und unter die Erde.

Mit der angekündigten Evaluierung aller Asfinag-Bauprojekte hat Verkehrsministerin Leonore Gewessler eine öffentliche Diskussion über Vor- und Nachteile des Straßeninfrastrukturausbaus losgetreten. Details darüber, wie und durch wen die Evaluierung vorgenommen wird, sind nicht bekannt, ebenso wenig, welche Folgen ein tatsächlicher Baustopp hätte. Die Evaluierung betrifft mehrere Projekte in ganz Österreich und wird nun auf die Klimaverträglichkeit geprüft, mit einem Ergebnis ist im Herbst zu rechnen. Während Politik, Wirtschaft und Anrainer in der jeweiligen Region auf die rasche Umsetzung drängen, steht Ministerin Gewessler auf der Bremse. Damit könnten einige Straßenprojekte trotz jahrelanger intensiver (Umweltverträglichkeits-)Prüfungen möglicherweise doch nicht umgesetzt werden.

Freie Fahrt gibt einen Überblick über die wichtigsten Straßen- und Bahnprojekte.

 

Straßenbau

 

 

Wien, NÖ: S1 Wiener
Außenring Schnellstraße

Länge: 19 km
Gesamtkosten: 1,9 Milliarden Euro

Die S1 entlastet die Siedlungsgebiete in Wien-Donaustadt, Wien-Floridsdorf und Umlandgemeinden im Nordosten Wiens. Die S1 soll zudem die Südosttangente (mit rund 200.000 Fahrzeugen die meist befahrene Autobahn Österreichs) entlasten. Der Individual- und Transitverkehr soll künftig somit nicht direkt durch das Stadt- und die Siedlungsgebiete, sondern um die Wohngegenden herum geführt werden. Mit der S1 wird auch der künftige Wiener Stadtteil „Seestadt” in Aspern an das Autobahnnetz angebunden.


+++ Dieses Projekt wurde aktuell von Klimaschutz- und Verkehrsministerin Leonore Gewessler gestoppt (01.12.2021). Die Informationen zum geplanten Bauvorhaben wollen wir Ihnen aber dennoch nicht vorenthalten. +++

 

Von der Evaluierung NICHT betroffen ist die Stadtstraße Aspern, die von der Stadt Wien errichtet wird. Die Stadtstraße führt von der S2, Anschlussstelle Hirschstetten bis zur Seestadt Aspern und bindet die Seestadt Aspern an das hochrangige Straßennetz an. In den Stadtentwicklungsgebieten im Nordosten der Stadt sollen künftig Wohnungen für 60.000 Wienerinnen und Wiener errichtet werden, wodurch die Anbindung unumgänglich ist.

 

 

Oberösterreich:
S10 Mühlviertler

Schnellstraße
Länge: 7,2 km

Gesamtkosten: 227 Millionen Euro Gerade noch rechtzeitig vor der Landtagswahl in Oberösterreich hat Verkehrsministerin Gewessler diesem Projekt – als bisher einzigem – grünes Licht gegeben, wenn auch mit neuen Auflagen.

Der Weiterbau der S10 ist ein zentrales Straßenbauprojekt in Oberösterreich, er bringt wirtschaftliche Impulse für die Region und große Vorteile für Pendlerinnen und Pendler sowie weniger Verkehr in den Siedlungsgebieten der Anrainerinnen und Anrainer, insbesondere jener, die in Rainbach und Umgebung leben.

 

 

Vorarlberg: S18
Bodensee Schnellstraße

Länge: 8,5 km
Gesamtkosten: 1,5 Milliarden Euro

Die 8,5 Kilometer lange Trasse verläuft von der A14 bei Dornbirn-Süd über eine Ostumfahrung von Lustenau bis zum Schweizer Ried mit Übergang in die Schweiz zum Knoten St.Margrethen. Die Ortsdurchfahrt von Lustenau sowie Siedlungsgebiete des Unteren Rheintales sollen so nachhaltig entlastet werden, da der Durchzugsverkehr über das hochrangige Straßennetz geführt wird.

 

 

Niederösterreich: S34
Traisental Schnellstraße

Länge: 9 km
Gesamtkosten: 208 Millionen Euro

Der geplante Bau der Traisental Schnellstraße ist in zwei Abschnitte geteilt. Der erste führt von der B1 bei Hafing bis zur Anschlussstelle Hart. Der zweite soll anschließend errichtet werden und von Hart bis Wilhelmsburg Nord führen. Ziele seien, so die Asfinag, weniger Verkehr und mehr Lebensqualität entlang der B20 Mariazeller Straße und kürzere Wege durch die verbesserte Anbindung an die A1 West Autobahn.

 

 

Das sagt der ARBÖ

Der Ausbau hochrangiger Verkehrswege ist für die Lebensqualität der Menschen in Österreich und den Wirtschaftsstandort von enormer Bedeutung. Mobilität und Reisefreiheit sind ein schützenswertes Gut unserer Gesellschaft, und dafür braucht es qualitativ hochwertige und ökologisch nachhaltige Angebote. Der ARBÖ setzt sich seit seiner Gründung für die Wahlfreiheit des Verkehrsmittels ein, weshalb der Ausbau aller Mobilitätsangebote wichtig und zukunftsfördernd ist. Dazu zählen der Straßen- und Bahnausbau, aber auch die Förderung der aktiven Mobilität wie Fahrradfahren und Zufußgehen.

 

 

Bahn: Die wichtigsten Bauprojekte auf Schiene

 

 

Brenner Basistunnel

Der Brenner Basistunnel ist Teil des europäischen Skandinavien-MittelmeerKernnetzkorridors. Der Brenner Basistunnel ist ein flach verlaufender Eisenbahntunnel zwischen Innsbruck und Franzensfeste in Italien. Mit der Einmündung in die bestehende Eisenbahnumfahrung Innsbruck ist der BBT 64 Kilometer lang und damit die längste unterirdische Eisenbahnverbindung der Welt. Insgesamt werden entlang der Strecke 230 Kilometer Tunnelbauwerke (Zufahrtsstollen, Querschläge etc.) errichtet. Der Brenner Basistunnel wird künftig den Menschen im gesamten mitteleuropäischen Raum eine rasche und sichere Verbindung zwischen Bevölkerungszentren nördlich und südlich der Alpen garantieren. Darüber hinaus wird auch der Güterverkehr beschleunigt. Die Fahrzeit wird von derzeit 80 Minuten auf 25 Minuten reduziert, wobei die Züge mit bis zu 230 km/h durch den Tunnel fahren werden.

 

Semmering Basistunnel

Die Südbahn wird derzeit zu einer Hochgeschwindigkeitsstrecke ähnlich der Westbahn ausgebaut. Damit verringern sich die Fahrzeiten erheblich, die Strecke zwischen dem Wiener Hauptbahnhof und dem Grazer Hauptbahnhof wird künftig in weniger als zwei Stunden zurückgelegt. Kernstück dieses Projekts ist der Semmering Basistunnel, eine 27 Kilometer lange unterirdische Bahnstrecke, für die insgesamt 62 Tunnelkilometer gegraben werden. Die Bahnromantik – die Bestandsstrecke über das Semmeringmassiv zählt zu den schönsten Bahnstrecken der Welt und ist seit 1998 Teil des UNESCO Weltkulturerbes – geht damit zwar verloren, dafür ist die Eisenbahn künftig eine rasche und umweltfreundliche Alternativ zu Auto oder Flugzeug.

 

Koralmtunnel

Mit einer Gesamtlänge von 130 Kilometern ist die Koralmbahn das längste Infrastrukturprojekt der Gegenwart in Österreich. Für Österreich ein Bau der Suplerative: 47 Kilometer Tunnel, mehr als 100 Brücken und Unterführungen und 23 neue, beziehungsweise renovierte Bahnhöfe machen die Südbahn zur modernsten Hochleistungsstrecke Österreichs. Gerade einmal 45 Minuten soll künftig die Fahrtzeit zwischen den Bahnhöfen Graz und Klagenfurt dauern.