Sichere Freiheit auf zwei Rädern

Motorrad & Erste Hilfe. Losfahren und Freiheit spüren – wer mit dem Motorrad unterwegs ist, kennt dieses Glücksgefühl. Aber hier braucht es Vorbereitung und Risikominimierung. Der ASBÖ bietet dazu ein spezielles Kurskonzept.

Der Spaß am Motorradfahren und die Faszination dafür werden von einem erhöhten Unfall- und Verletzungsrisiko begleitet. Seit dem Jahr 1992 hat sich die Zahl der Zulassungen von Motorrädern in Österreich um mehr als 240 Prozent erhöht.

Trotz dieser massiven Zunahme ist die Zahl der getöteten MotorradfahrerInnen leicht gesunken. „Das hat vor allem mit den angebotenen Fahrsicherheitstrainings, baulichen Maßnahmen im Straßennetz, den technischen Verbesserungen, wie etwa der Traktionskontrolle, sowie mit moderner Schutzkleidung mit Airbag und Sturzhelmtechnik zu tun“, erläutert Jürgen Grassl, Schulungsleiter des Österreichischen Arbeiter-Samariter-Bundes.

Und dennoch: Jährlich verletzen sich rund 9000 motorisierte ZweiradlenkerInnen. Leider kursieren insbesondere in Sachen Erste Hilfe bei Motorradunfällen immer noch diverse Mythen. „Ein Sturzhelm darf nicht abgenommen werden. Das ist bei vielen noch in den Köpfen drinnen. Aus wissenschaftlicher Sicht ist dieser Irrtum schon längst widerlegt“, wie Grassl betont. Mit dem Ziel, ErsthelferInnen für die Besonderheiten bei Motorradunfällen zu sensibilisieren sowie zeitgemäß angemessene ErsteHilfe-Maßnahmen zu trainieren, hat man beim Samariterbund für die Zielgruppe der Motorradfahrer ein spezielles Kurskonzept entwickelt.

Kursauffrischung. Auch mit Elisabeth Zwingraf ist in Sachen Schulungen kein unbeschriebenes Blatt beim Samariterbund aktiv. Sie ist die Leiterin der Wiener Landesabteilung für Schulungen. Dort bietet der Wiener Samariterbund seit etwa acht Jahren Erste-Hilfe-Kurse speziell für MotorradfahrerInnen an. „In diesen Kursen wird besonders auf Notfälle eingegangen, die sich im Alltag von Motorradfahrern ereignen können“, sagt Zwingraf. Der Kurs für Motorradfahrer ersetzt keinen der gesetzlich vorgeschriebenen Erste-Hilfe-Kurse, sondern ist als Vertiefung bereits erworbener Kenntnisse mit dem Schwerpunkt „Der verletzte Motorradfahrer“ zu sehen. „Wir empfehlen, die Fertigkeiten zur Ersten Hilfe mindestens alle vier bis fünf Jahre aufzufrischen. In jedem Fall wird später einmal mindestens eine Person davon profitieren“, so Grassl.

Helm ab! Generell hat bei einem Unfall die eigene Sicherheit genauso wie die Sicherheit aller am Unfallort anwesenden Personen sehr hohe Priorität. Das Absichern der Unfallstelle und das Absetzen des Notrufs mit genauer Ortsangabe über die Notrufnummer 144 sind die ersten entscheidenden Maßnahmen. „Die Blutstillung von sichtbaren, starken äußeren Blutungen ist sofort anzuwenden. Sorgen Sie für freie Atemwege. Dazu muss der Sturzhelm abgenommen werden“, führt Grassl aus. Bewusstlose Personen mit normaler Atmung werden anschließend in die stabile Seitenlage gebracht. Wache Personen werden für eine bequeme, schmerzlindernde und atemerleichternde Position unterstützt. Im Kreislaufschock ist die Position in flacher Rückenlage eine geeignete Maßnahme. Sind keine Lebenszeichen feststellbar, beginnen Sie mit der Wiederbelebung. Unterbrechen Sie diese Maßnahmen nicht, bis das Rettungsteam die Wiederbelebung übernimmt.

Schutzausrüstung. Egal ob die schnelle „Afterwork-Ausfahrt“ auf der Hausstrecke, die Tagestour oder die geplante ausgedehnte Mehrtagestour: Es sollte nie auf die Schutzausrüstung vergessen werden. Nur die Kombination von Sturzhelm, Handschuhen, Oberkörper- und Beinbekleidung mit entsprechenden Protektoren sowie Motorradstiefeln kann vor schweren Verletzungen schützen.

Wer sich gut und gewissenhaft vorbereitet und die wesentlichen Dinge einhält, hat mehr vom Easy-RiderFeeling. Nur so kann das Gefühl der Freiheit und Ungebundenheit auch intensiv ausgelebt werden.

Denn bei einem möglichen Unfall ist es mitunter lebenswichtig, genau zu wissen, was man als Ersthelfer zu tun hat. Schnell und unmittelbar muss diese Hilfe sein. Genau zu wissen, was im Ernstfall zu tun ist, lässt einen entspannter auf dem Bike sitzen und intensiviert die Freude am Motorradfahren.

- GEORG WIDERIN