Premiumbike & Maßrad: Objekte der Begierde

High-End-Fahrrad. Vom simplen Fortbewegungsmittel zum exklusiven Luxusobjekt.

Als Karl Drais 1817 die erste Ausfahrt auf seinem hölzernen Laufrad unternahm, konnte er wohl kaum ahnen, wohin sich seine Erfindung gut 200 Jahre später entwickeln würde: vom simplen Fortbewegungsmittel früherer Tage zum beliebten Freizeitgerät – und manchmal sogar zum Luxusobjekt und Statussymbol.

Heute ist es längst keine Seltenheit, wenn das gute, edle Stück einen ordentlichen vierstelligen Eurobetrag erreicht – nach oben auf der Preisskala gibt es kaum Grenzen. Da finden sich exklusive Hightech-Bikes, die schon fast Kleinwagenpreise erzielen. Räder also, die man besser nicht einfach so draußen abstellen sollte.

Solche Räder sorgen natürlich für einen starken Auftritt bei der Wochenendausfahrt. Denn nicht jeder kann und will sich ein derart exklusives Statement leisten. Was macht diese High-End-Bikes so faszinierend? „Hier geht es nicht ausschließlich ums Fahrgefühl, sondern auch um die Exklusivität. Neben superleichten und steifen Carbon-Rahmenkonstruktionen und allerfeinsten Komponenten sind auch limitierte Stückzahlen oder exklusive Produktionsserien ein Grund, warum Fans schwach werden. Das alles kann den Preis dann sogar in fünfstellige Regionen treiben”, erklärt Radhändler Bernhard Kohl die Topliga der Super-Bikes und hält dabei den 13.000-Euro-Bianchi-Renner locker mit nur einem Finger hoch. Aber nicht nur Rennräder, auch E-Mountainbikes genießen mittlerweile hohes Ansehen. Marken wie beispielsweise Rotwild oder die Edelabteilung „S-Works” des US-Herstellers Specialized genießen Kultstatus in der Szene. Und es ist nicht mehr so ungewöhnlich, dass sich gut situierte Best-Ager einmal etwas wirklich Feines gönnen.

Wie häufig BesitzerInnen eines edlen, handgefertigten „Masterpiece”-Renners des Schweizer Radherstellers BMC um stolze 18.000 Euro ihr Schmückstück dann auch wirklich ausführen, sei dahingestellt.

Rad nach Maß. Wer sich sein Rad lieber maßanzugsgenau anpassen lassen möchte, statt mit „Stangen-Ware” zu fahren, kann beispielsweise bei Eigl-Bikes die passende Lösung finden. Seit einigen Jahren fertigt der gelernte Rahmenbauer Michael Eigl in Hollabrunn im Weinviertel Fahrradrahmen nach Maß (www.eiglbikes.at), eine Kunst die nur mehr wenige beherrschen. „Wenn das Bike perfekt an Körper und Bedürfnisse angepasst ist, fährt man nicht nur komfortabler, sondern auch länger, effizienter und vor allem gesünder”, erklärt Eigl die Vorteile eines Maß-Bikes in Handarbeit. Die Bandbreite erstreckt sich von klassischen Rennrädern über Cyclocross-, Gravel- und Mountainbikes bis hin zu Lastenrädern, E-Bikes und Mobilitätslösungen für Menschen mit besonderen Bedürfnissen. Nicht nur bei Rücken- oder Knieproblemen schafft „Bikefitting” – das individuelle Vermessen des Rads unter Beisein eines PhysioExperten – ein verbessertes Radgefühl.

Auch immer mehr Radsportler lassen ihr Rad maßschneidern. „Kürzlich hab ich ein gefedertes Rennrad fertiggestellt, für einen Kunden mit Rückenproblemen”, so Eigl. Dabei werden unterschiedliche Materialien verarbeitet, je nach Anforderung und Budget: Stahl, Alu oder auch Titan.

Die Kosten für ein maßgefertigtes Komplettrad beginnen je nach Komplexität und Material bei etwa € 2500,–, der Aufwand für die Herstellung beträgt zwischen 50 und 200 Arbeitsstunden. Auch „Retrofitting” historischer Räder oder der Umbau auf E-Antrieb werden durchgeführt.

Eines gilt aber auch für die edelsten Bikes: Treten muss man immer noch selbst.