„Nicht zögern, die Feuerwehr zu rufen”

Brandrat Georg Schwarzott von der Berufsfeuerwehr Wien im Gespräch über Risiko und Gefahren bei einem Fahrzeugbrand.

Ein brennendes Auto ist der Albtraum jeden Autofahrers. Wie oft kommt es vor, dass ein Fahrzeug brennt bzw. was sind meist die Ursachen?

Glücklicherweise entpuppen sich nicht alle Fahrzeugbrände, zu denen die Feuerwehr gerufen wird, tatsächlich als solche. Oft sind es nur überhitzte Kühler oder festsitzende Bremsen, die für eine Dampf- oder Rauchentwicklung sorgen. Gerät ein Fahrzeug tatsächlich in Brand, geschieht dies zum Großteil als Folge von technischen Defekten, die ganz unterschiedliche Ursachen haben können. Weitaus seltener kommt es nach Verkehrsunfällen zu Fahrzeugbränden.

Gemessen an der Gesamtzahl der Alarmierungen zu Bränden liegen Fahrzeugbrände z.B. bei der Berufsfeuerwehr Wien im niedrigen einstelligen Prozentbereich.

 

Wo liegen die größten Gefahren bei einem Fahrzeugbrand?

Für die Fahrzeuginsassen selbst ist die größte Gefahr zunächst der Brandrauch. Dringt der Rauch in die Fahrgastzelle ein, kann es bereits nach wenigen Atemzügen zu einer gesundheitlichen Beeinträchtigung kommen. Ist ein Verlassen des Fahrzeuges durch die Folgen der Rauchgasinhalation oder durch die Verformung eines brennenden Unfallfahrzeuges nicht mehr möglich, kann dies zu schweren Verletzungen oder gar zum Tod führen. Glücklicherweise sind Fahrzeugbrände mit derart gravierendem Ausgang aber deutlich in der Minderzahl.
Weiters kann es bei einem Fahrzeugbrand zur Gefahr durch eine Brandausbreitung auf weitere Fahrzeugteile – z.B. vom Motorraum auf den Innenraum – oder auch vom brennenden Fahrzeug selbst auf weitere brennbare Gegenstände in der Umgebung kommen. So kann sich beispielhaft ein unbemerkter Entstehungsbrand an einem Pkw in einer Garage zum Vollbrand des betreffenden Fahrzeuges entwickeln, der wiederum andere in der Umgebung befindliche Fahrzeuge in Brand stecken kann.

 

Was sollte man tun, wenn man erkennt, dass sein Auto zu brennen beginnt?

Wenn ein in Betrieb befindliches Fahrzeug in Brand gerät, sollte es so rasch wie möglich angehalten und der Motor abgestellt, das Fahrzeug mit der Feststellbremse eingebremst und selbiges verlassen werden. Zögern Sie nicht – auch nur bei Verdacht, dass ihr Fahrzeug brennen könnte – die Feuerwehr über den Notruf 122 zu verständigen. Je länger man damit wartet, umso geringer werden die Chancen, den Brand noch in einem frühen Stadium löschen zu können.

 

Wo liegen die Schwierigkeiten bei einem brennenden Elektroauto?

Brände von E-Fahrzeugen sind für die Feuerwehr grundlegend nicht anders zu bekämpfen wie jene „herkömmlicher“ Fahrzeuge. Ist jedoch auch der Energiespeicher direkt vom Brandgeschehen betroffen, kann es durch die thermische Einwirkung zu einer Art Kettenreaktion der Akku-Zellen kommen. Da bauartbedingt – niemand möchte im Normalbetrieb einen Wassereintritt in den Akku – die Löschmittel (üblicherweise Wasser) nur schwer in den betroffenen Akku eindringen können, kann die dort entstehenden Wärmeenergie, wenn überhaupt, nur langsam abgeführt und die Kettenreaktion dadurch unterbrochen werden. Das bedingt lange Kühlzeiten bzw. müssen dadurch diese E-Fahrzeuge unter Umständen an einen sicheren Abstellort verbracht werden, wo von diesen keine Brandgefahr mehr für die Umgebung ausgeht.

 

Worauf muss man generell bei einem verunfallten E-Auto achten?

E-Autos sind nach Unfällen nicht unsicherer als jene mit konventionellen Antrieben. Die Sicherheitseinrichtungen im Fahrzeug erlauben es Ersthelfern wie auch Einsatzkräften in gewohnter Art und Weise Erste Hilfe zu leisten. Im Unterschied zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor ist es bedingt durch den Wegfall des Motorgeräuschs im Stillstand nicht immer einfach erkennbar, ob sich das Unfallfahrzeug noch im fahrbereiten Zustand befindet – erkennbar an der „Ready-Anzeige“ – oder bereits deaktiviert ist. Dies kann vor allem bei leichten Unfällen, bei denen es nicht durch die Crash-Sensoren zu einer Deaktivierung des Fahrzeuges gekommen ist, zu einem Gefahrenmoment werden, wenn unabsichtlich das „Gaspedal“ betätigt wird und sich das Fahrzeug unvermittelt in Bewegung setzt. Die Deaktivierung des Fahrbetriebs – vergleichbar mit dem Ausschalten der Zündung – sollte daher so rasch wie möglich kontrolliert bzw. durchgeführt werden.

 

Welche besondere Ausrüstung braucht man bei einem Unfall mit einem Elektroauto? Und wie sieht es bei Erdgas und Wasserstoff aus?

Für alle drei genannte Antriebsarten stellen Wärmebildkameras und bei gasbetriebenen Fahrzeugen zusätzlich auch Gasmessgeräte wichtige Hilfsmittel dar. Auch wenn derartige Geräte (noch?) nicht bei jeder Feuerwehr vorhanden sind, kann flächendeckend darauf zurückgegriffen werden.