Mit dem Mute der Verzweiflung

Radsport in Corona-Zeiten. Das ist für Teams und Veranstalter ein Ritt auf der Rasierklinge. Das ARBÖ-Team Felbermayr Simplon Wels lässt sich aber nicht unterkriegen.

Der Start in die Saison war ver heißungsvoll. Am 23. Februar gewann Riccardo Zoidl die 3. Etappe der stark besetzten Tour of Antalya. Für den Routinier vom Team ARBÖ Felbermayr Simplon Wels hätte es gerne so weitergehen können.

Doch dann kam, während das Team in Kroatien eine Tour bestreiten wollte, die Pandemie. Und mit dieser der Stillstand. Nun steht Stillstand per se schon in völligem Widerspruch zum Beruf eines Radprofis. Die reihenweisen Absagen von Rundfahrten und Eintagesrennen aber setzen einer RadEquipe massiv zu. Denn auch das Team ARBÖ Felbermayr Simplon ist ein wirtschaftlich geführtes Unternehmen mit Angestellten: Gehälter, Versicherungen und Leasingraten müssen weiter bezahlt werden. Wenn die Sponsoren aber kaum Gegenleistungen bekommen, weil die Profis nur im eigenen Wohnzimmer auf der Walze fahren können, wird es eng. Das betrifft natürlich auch andere Teams wie etwa die ARBÖ Maloja Pushbikers.

Lob vom Betreuer. Andreas Grossek, der Sportliche Leiter des Teams Felbermayr, schwankt zwischen Verzweiflung und Begeisterung. „Es ist schwierig, die Motivation der Burschen aufrechtzuerhalten. Denn sie trainieren wie wild, ohne Aussicht darauf, regelmäßig Rennen fahren zu können“, sagt er und streut den Team-Sponsoren Rosen: „Sie sind großartig und stehen zu 100 Prozent hinter uns. Das Jahr 2020 ist ausfinanziert. Da fällt uns schon ein Stein vom Herzen.“

Österreichs Nummer-1-Team hat in der Not sogar angedacht, sich mit anderen Mannschaften zusammenzutun und Rennen zu simulieren. „Davon sind wir wieder abgekommen, weil es zu gefährlich wäre. Wir wären quasi im fließenden Verkehr gefahren“, erzählt Grossek. Womit wir beim Hauptproblem wären. Grossek: „Im Radsport änderst du halt ständig deinen Aufenthaltsort. Du kannst im Gegensatz zum Fußball keine Blase bilden, in der sich alle aufhalten, und etwa in einem leeren Stadion spielen.“ So nimmt man es bei ARBÖ Felbermayr Simplon Wels, wie es kommt. „Es ist ein permanenter Slalomlauf. Wir freuen uns über jedes Rennen und versuchen, für den Tag X gerüstet zu sein. Auch wenn kurz davor vielleicht wieder abgesagt wird“, erklärt Grossek. „Aber da müssen wir durch. Wir werden das schaffen.“ Wie heißt es doch so schön: Aufgegeben wird nur ein Brief ...

- MANFRED POLT