Die Zukunft des Autos steht unter Strom

Umwelt. Die Klimaziele der EU sind entschlossen: Bis 2030 sollen die Emissionen um mehr als die Hälfte reduziert werden. Vor allem Verkehr und Mobilität sollen nachhaltig werden.

Fit for 55“ heißt das jüngste von der EU verabschiedete Papier zum Thema Klimaneutralität. Warum 55? Die Nettoemissionen sollen bis 2030 um mindestens 55Prozent gegenüber 1990 reduziert werden – und bis 2050 soll Europa zum ersten klimaneutralen Kontinent werden. Die darin behandelten Themen sind biologische Vielfalt, Kreislaufwirtschaft, Schadstofffreiheit, nachhaltige und intelligente Mobilität, Renovierungswelle, nachhaltige Lebensmittel, Wasserstoff, Batterien und erneuerbare Offshore-Energie. Kurz: Man sieht das große ganze, man weist darauf hin, dass alle ihren Beitrag leisten müssen.

Die österreichische Antwort darauf, welche zwei Tage später der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, heißt „Mobilitätsmasterplan 2030 für Österreich“ und beschränkt sich – wenig visionär – auf den Verkehr. Das Dokument soll laut der Bundesministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie, Leonore Gewessler, „Karte und Kompass“ für eine Dekarbonisierung sein und hat keine bindende Kraft. Es gibt aber einen Vorgeschmack darauf, wie die automobile Zukunft in Österreich ausschauen wird und auch welche finanziellen Belastungen auf uns zukommen werden.

Elektrisch. „Die Zukunft des Autos steht unter Strom“, so Gewessler bei der Präsentation. In Österreich sollen ab 2030 nur mehr emissionsfreie Autos neu zugelassen werden. Gewessler meint damit reine Elektroautos, denn sonstige alternative Kraftstoffe wie E-Fuels und Wasserstoff werden im Papier nur in Zusammenhang mit Flug- und Schiffsverkehr erwähnt. Für die Beschaffung im Bund sollen ab 2022 nur noch E-Autos infrage kommen, Taxis, Mietwägen und Car-Sharing-Fahrzeuge sollen ab 2025 elektrifiziert sein. Noch schärfere Geschütze sollen schließlich 2040 aufgefahren werden: Spätestens dann sollen auch alle Bestandsfahrzeuge (!) emissionsfrei unterwegs. Wer sich also jetzt einen Diesel oder Benziner kauft und darauf aufpasst, müsste dann spätestens in 18 Jahren einen Schrotthändler aufsuchen und sich von seinem guten Stück verabschieden.

„Diese ambitionierten Ziele erfordern ein Bündel an zusätzlichen Maßnahmen: Im steuerlichen Bereich sind beispielhaft die Ökologisierung des Dienstwagenprivilegs und der Normverbrauchsabgabe (bereits umgesetzt) sowie die CO2-Bepreisung ab 2022 zu nennen. Förderinstrumente für die Beschaffung von Fahr zeugen für Privatpersonen und Unternehmen ergänzen diese fiskalischen Elemente“, ist im Mobilitätsmasterplan zu lesen. Man darf also davon ausgehen, dass eine weitere Steuer auf Kraftstoff ins Haus steht. Und Vizekanzler Kogler hat dies vor wengien Tagen in einem Interview auch bestätigt.

Der Umstieg auf E-Autos ist für Gewessler ohnehin nur Plan B. Der Individualverkehr soll großteils im öffentlichen Verkehr sowie geteilter und aktiver Mobilität (Rad fahren, zu Fuß gehen) aufgehen. Der Anteil der Wege, die aus eigener Kraft zurückgelegt werden, soll bis 2040 von aktuell 23 auf 35 Prozent steigen.

Mehr Schiene. Auch soll die Leistungsfähigkeit der Schiene bis 2040 verdoppelt werden. Allein bis 2030 sollen 3,4 Milliarden Euro in die Anschaffung neuer Züge bereitgestellt werden. Bis 2024 möchte die ÖBB 26 Liniennachtzüge anbieten, um Kurzstreckenflüge zu ersetzen. Stichwort Flugverkehr: 2040 sollen alle Flugzeuge in Österreich mit klimaneutralen Kraftstoffen unterwegs sein, selbiges gilt für die Binnenschifffahrt.