Der Stau und wir

Ein kleiner Ratgeber über das Vermeiden von und das Verhalten im Stau.

Es. Geht. Nix. Weiter. Man freut sich auf schnelles Weiterkommen – und dann das: Stau. Und wer ist schuld? Natürlich immer die anderen. Das mag bei Grenzkontrollen oder Ähnlichem gelten, doch steckt in jedem von uns ein kleiner Stauauslöser. Dazu muss man verstehen, wie sich ein Stau aufbaut.

Der beste Verkehrsfluss ist gegeben, wenn alle Fahrzeuge dieselbe Geschwindigkeit haben – was im richtigen Leben schwer möglich ist.

Ein schönes Beispiel war die sogenannte Fly-over-Behelfsbrücke auf der Wiener Südosttangente im heurigen Sommer: eine größere Bodenschwelle, die für das Auge bedrohlicher aussah, als sie für jedes Fahrwerk zu bewältigen war – aber dadurch einige ängstliche Lenker dazu bewog, nicht mit den dort reglementierten 60 Stundenkilometern drüberzufahren. Und so kommt der Stein ins Rollen: Jemand erschrickt und bremst auf 40 km/h ab. Der aufmerksame Hintermann reduziert seine Geschwindigkeit auf 38 km/h, der Nächste hat nur mehr 36 km/h drauf und so weiter – bis es dann einige Autos weiter hinten zum völligen Stillstand kommt und der eigentliche Verursacher schon längst über alle Berge ist. Der bekannte deutsche Stauforscher Prof. Dr. Michael Schreckenberg von der Uni Duisburg-Essen meint: „Autofahrer sind grundsätzlich Egoisten und in der Anonymität ihres Fahrzeugs verhalten sie sich komplett anders als im privaten Leben.“

Im Gegensatz zu Ameisen, die im Bau das Gemeinschaftswohl in den Vordergrund stellen, sich strikt ans Reißverschlusssystem halten (und beim Zusammenfluss die Marschgeschwindigkeit erhöhen), stellt sich der gemeine Mensch doch ziemlich tollpatschig an. Schreckenberg weiter: „Das ist der sogenannte Inversionseffekt: Wenn der Verkehr dichter wird, wechseln viele erst einmal nach links, um dann, wenn es wieder möglich wird, schneller zu fahren, möglichst nicht zwischen den Lkws eingeklemmt zu sein. Viele haben auch sehr große Angst vor Lkws, das ist schlicht ein psychologischer Effekt.Im Übrigen haben die Menschen ohnehin immer alle das Gefühl, selbst auf der langsameren Spur zu sein. Das liegt aber nur daran, dass sich die Fahrzeuge, die vor einem fahren, stärker einprägen als diejenigen, die man überholt hat.“

Was kann man also tun, um Staus aktiv zu vermeiden: kein dichtes Auffahren. Beobachten Sie Berufskraftfahrer im zähflüssigen Verkehr – diese bleiben immer in Bewegung. Weiters keine unnötigen Spurwechsel. Beachten des Reißverschlusssystems – einordnen immer erst am Ende der Spur. Und was, wenn man wirklich im Stau steht? Mag. Patricia Prunner, Verkehrspsychologin beim ARBÖ, meint: „Die meisten Staus entstehen am Weg zur Arbeit oder im Urlaubsverkehr. Unabhängig von unserer Grundemotion – entspannt durch den vorangegangenen Urlaub oder angespannt am Weg zur Arbeit – entsteht in den meisten Stausituationen Stress und daraus resultiert in den meisten Fällen Wut. Wie reagieren wir Menschen daher in genau einer solchen Situation? Der Dalai Lama sagt: In der Wut verliert der Mensch seine Intelligenz.“

Ihre Tipps für den Fall: „Die Verwendung des Handys, um die Wartezeit zu überbrücken, mag sehr verlockend sein – generell gilt aber besonders bei Stop-and-go-Verkehr: Hände weg vom Handy. Denn durch diese Ablenkung fehlt oft der Blick nach vorne, und dadurch entstehen Auffahrunfälle, was die Stausituation natürlich noch deutlich verkompliziert.“

Was aber tun, wenn die Mitfahrer ungeduldig werden?

„Spielen Sie Spiele wie früher (Kennzeichen raten; Ich seh, ich seh, was du nicht siehst), unterhalten Sie sich miteinander – so wie Sie es früher, vor der Erfindung des Handys, ganz selbstverständlich immer getan haben. Planen Sie Verzögerungen ein. Vermeiden Sie neugierige Blicke auf Unfälle, sind diese auch noch so spannend. Verlassen Sie Ihr Auto nicht ohne Grund – eine Autobahn bleibt auch bei Stillstand Ihres Fahrstreifens eine Gefahr.

Und zuletzt: Für die Fahrt in den Urlaub wäre auch eine volle Flasche Wasser und eine leere Flasche ein guter und nützlicher Begleiter in Stausituationen!“