Besser Finger weg!

Do it yourself. Nicht alles am Auto ist „Rocket-Science”. Bei modernen Fahrzeugen sollte man aber genau wissen, was man tut – sonst gibt’s böse Überraschungen.

Man muss ja nicht unbedingt ein versierter Autobastler oder Profimechaniker sein, um einfache Wartungs- und Servicearbeiten an seinem Auto selbst machen zu können. Reifen umstecken, einmal eine kaputte Lampe wechseln oder Motoröl oder Kühlflüssigkeit nachfüllen ist ja auch wirklich keine große Hexerei. Sollte man glauben! Die Wahrheit kann aber anders aussehen: An hochmodernen Fahrzeugen können selbst vermeintlich simple Tätigkeiten zu wahrer Doktorarbeit werden und bei unsachgemäßer Handhabung rasch zu Problemen führen, nach dem Motto: „Ich wollte ja nur meine Reifen wechseln, und jetzt bekomme ich ständig eine Fehlermeldung.“ Im schlimmsten Falle kann unsachgemäßes Handeln sogar zu Totalversagen des Fahrzeugs oder kapitalem Motorschaden führen. Aber keine Sorge: Lassen Sie dieseArbeiten besser von Profis erledigen und kommen Sie dazu einfach in Ihr nächstes ARBÖ-Prüfzentrum. Hier ein Überblick, worauf man bei „gängigen“ Tätigkeiten an modernen Fahrzeugen achten sollte.

Starthilfe. Achtung auf das Bordsystem

Moderne Fahrzeuge verfügen über eine große Anzahl an Komfortund Entertainmentfunktionen. Diese wollen mit ausreichend Strom versorgt werden, und dafür braucht es ausgefeiltes Batterie- und Lademanagement. Dies muss bei einer Starthilfe jedoch unbedingt berücksichtigt werden, damit die Steuerelektronik nicht beschädigt wird. Denn das kann richtig teuer werden. Achtung: Keine Starthilfe mit Elektro- und Hybrid-Fahrzeugen geben! Hier kann es zu Beschädigungen an Lademanagement und Bordelektronik kommen, was rasch mehrere Tausend Euro kosten kann.

Öl nachfüllen. Komplexes Thema

Die Anzahl der im Handel verfügbaren Motoröle ist groß, und das hat seinen Grund. Motoröl ist inzwischen ein sehr komplexes Produkt, das ideal auf den Motor und seine Anforderungen zugeschnitten ist. Das Zauberwort heißt Additive. Falsche Öle oder Mischungen verschiedener Öle können langfristig zu Motorschäden führen.

Abschleppen mit dem Abschleppseil

Früher willkommene Hilfeleistung, heute kaum mehr möglich. Beim Abschleppen mit Seil sind durch fehlende Lenk- und Bremsunterstützung nicht nur schwere Fahrzeuge schwierig zu steuern. Auch auf den Antriebsstrang muss geachtet werden. Ob, wie weit und mit welchem Tempo geschleppt werden darf, wird von den Herstellern oft streng vorgegeben. Meist sind es nur kurze Strecken bei niedriger Geschwindigkeit.

Batterietausch. Hier hat die Software das letzte Wort

Unsere klassische 12-Volt-Batterie durchlebt gerade einen Umbruch. Sie muss heutzutage mehr leisten (immer komplexere Elektronik) und dabei immer kleiner werden. Um dieser Belastung standzuhalten, muss sie vom Bordsystem überwacht werden. Beim Tausch muss der Fahrzeug-Software „mitgeteilt” werden, dass eine neue Batterie verbaut ist. Erfolgt dies nicht, droht der Ausfall von Komfortsystemen (z. B. Navi, Sitzheizung, Audio, Fensterheber usw.). Im schlimmsten Fall lässt sich das Fahrzeug nicht mehr starten.

Reifen umstecken. RDKS macht’s kompliziert

Spätestens seit Einführung der Reifendruckkontrolle (RDKS) ist auch das Reifenwechseln nicht mehr mit früher vergleichbar. Es gibt zwar unterschiedlich komplexe Systeme, die aber eines eint. Das Auto muss wissen, dass andere Reifen montiert wurden. Dies erfordert neben dem klassischen Diagnosegerät manchmal auch spezielle Auslesegeräte für die Reifendrucksensor-Codes. Damit nicht kurz nach dem Wechsel die Warnleuchte grüßt.

Lampen tauschen. Viele unterschiedliche Leuchten

Deutlich komplexer durch mehrere Faktoren wurde auch das Tauschen von Lampen, insbesondere der Scheinwerfer. Einerseits durch die oft sehr geringen Platzverhältnisse im Motorraum, andererseits auch durch die große Anzahl an Halogen-Leuchtmitteln und die schier grenzenlose Auswahl an Umund Nachbaulampen – teilweise sogar ohne gesetzliche Grundlage – , die im Handel erhältlich sind. Xenon-Lampen sollte man aufgrund der hohen Spannung auch nicht selbst wechseln. Und bei LED-Licht wird meist die komplette Leuchte ersetzt und nicht einzelne Lampen.