Nicht jeder Regelverstoß führt zu einem Mitverschulden

Herr R. ist begeisterter Radfahrer. Er fährt auf einem in 2 Richtungen befahrbaren Fahrradstreifen, welcher sich links neben einer Landesstraße befindet. Dieser Fahrradweg endet jedoch abrupt vor einem Zebrastreifen, welcher zum Überqueren einer von links in die Landesstraße einmündenden Straße dient. Diese Nebenstraße ist benachrangt, vor dem Zebrastreifen befindet sich eine Haltelinie. Eine Pkw-Lenkerin bringt dort ihr Fahrzeug zum Stillstand, sodass Herr R. glaubt, den Zebrastreifen in langsamer Fahrt überqueren zu können.

Auf der bevorrangten Landesstraße überquert ebenfalls ein Fußgänger den Zebrastreifen, sodass der Kolonnenverkehr zum Stehen kommt. Eine Pkw-Lenkerin auf der Landesstraße winkt freundlich und fordert die Pkw-Lenkerin auf der Nebenstraße auf, nunmehr doch nach rechts in die Landesstraße abzubiegen. Es kommt in weiterer Folge zur Frontalkollision mit unserem Fahrradfahrer, weil die Pkw-Lenkerin nicht darauf geachtet hat, ob sich zwischenzeitlich jemand auf dem Zebrastreifen befindet. Herr R. erleidet Prellungen und Schürfungen an der rechten Schulter und am rechten Knie, sein Fahrrad ist ein Totalschaden.

Die Haftpflichtversicherung des schädigenden Pkws verweigert jede Zahlung, weil grundsätzlich ein Fahrradfahrer nicht über einen Zebrastreifen fahren darf. Der Unfall wäre jedoch auch dann erfolgt, wenn Herr R. als Fußgänger den Zebrastreifen gequert hätte, weil die Pkw-Lenkerin darauf schlichtweg nicht geachtet hat. Trotz des Verstoßes gegen die StVO erhält Herr R. deshalb den Wert seines Fahrrades und Schmerzengeld in vollem Umfang.