23.04.18

Sicherheitstipp

Bei Hitze drohen Gefahren.

Sommerliche Temperaturen können für Autofahrer eine Gefahr darstellen und die Auswirkungen werden häufig unterschätzt.

In den kommenden Tagen klettern die Temperaturen auf bis zu 30 Grad Celsius. Bei diesen Temperaturen von mehr als 25 Grad kann sich der Innenraum eines in der Sonne geparkten Fahrzeugs binnen 45 Minuten auf mehr als 50 Grad aufheizen. Für im Auto zurückgelassene Kinder oder Haustiere können solche Temperaturen bereits nach zehn Minuten lebensbedrohend sein! Ein Auto erhitzt sehr schnell: Pro Minute kann das Thermometer um 1 Grad Celsius steigen. Und es bringt auch nichts, die Seitenscheibe des Wagens einen Spalt offen zu lassen, da die Luft nicht ausreichend zirkulieren kann. Auch das Abstellen im Schatten verhindert Überhitzung nicht, da die Sonne wandert. Die Gefahr wird immer wieder massiv unterschätzt, vor allem auch, wenn ein Kind am Rücksitz schläft und Eltern kurze Erledigungen haben. „Kinder können, im Gegenzug zu Erwachsenen, Ihre Körpertemperatur nicht so gut durch schwitzen regeln. Dadurch sind sie, wie Tiere auch, gefährdeter einen Hitzeschlag zu erleiden“, sagt ARBÖ-Salzburg Sprecherin Renate Eschenlohr.

Das Leben geht vor! Oft ist es nur aufmerksamen Passanten zu verdanken, dass Kinder aus brütend heißen Fahrzeugen gerettet werden. Rechtlich ist in einem solchen Fall übrigens jedermann verpflichtet, einzugreifen.
„Wenn jemand bemerkt, dass ein Kind gefährdet ist (z.B. schreien, erbrechen, kollabieren), ist jeder zur Hilfeleistung verpflichtet“, erklärt Mag. Gerald Hufnagel, ARBÖ-Rechtsabteilung. Eine Autoscheibe einzuschlagen hat in so einem Fall kein juristisches Nachspiel, sofern es unter der Voraussetzung des entschuldigenden Notstandes erfolgt. Von diesem spricht man, wenn der aus der Tat drohende Schaden nicht unverhältnismäßig schwerer wiegt als der Nachteil, den dieser Eingriff abwenden soll. „Hier wird eine Güterabwägung getroffen, Auto oder Leben. Passanten sind verpflichtet, Abhilfe zu schaffen und einzuschreiten, denn strafbar macht sich auch, wer einen Sachverhalt durch Unterlassung begeht“, sagt Hufnagel. Konkret rät der ARBÖ in einer derartigen Situation folgendermaßen vorzugehen:

 

  • Einschätzen der Situation, ob noch Zeit ist, die Eltern bzw. den Lenker des Fahrzeugs ausfindig zu machen. Sollte das Auto etwa vor einem Supermarkt stehen, den Fahrer dort ausrufen lassen.
  • Sollte dies nicht erfolgreich sein, sollten Feuerwehr und/oder Polizei verständigt werden.
  • Bei gravierender Verschlechterung des Zustandes des eingeschlossenen Kindes ist die Regelung über den entschuldigenden Notstand anzuwenden. Die Passanten dürfen also eine Scheibe des Fahrzeugs einschlagen um das gefährdete Kind zu retten. Aber auch in dieser Situation sollte wenn möglich Zeugen hinzugezogen oder zumindest ein Foto zwecks Beweissicherung gemacht werden.

 

Erste-Hilfe-Maßnahmen im Ernstfall:

  • Person in den Schatten bringenBei Bewusstlosigkeit in stabile Seitenlage, sonst soll der Oberkörper erhöht gelagert werden
  • Kleidung öffnen und lockern, Wind zufächeln
  • Notruf 144 wählen, um den Rettungsdienst zu alarmieren
  • Kind mit feuchten Umschlägen kühlen (insbesondere den Kopf),
  • Sofern das Kind kooperativ ist und trinken kann, Wasser trinken lassen
  • Den Anweisungen der Rettungsleitstelle Folge leisten.

 

Brütende Hitze kann das Fahren beeinträchtigen. Als optimale Temperatur im Autoinnenraum gelten 21 bis 23 Grad. Ab 24 Grad kann es bereits zu vermindertem Reaktionsvermögen, Aufmerksamkeitsdefiziten und mehr Stress kommen, das Unfallrisiko steigt. Zu stark sollte das Fahrzeug jedoch auch nicht abgekühlt werden, da „Polartemperaturen“ ebenfalls den Kreislauf belasten. 

 

Anbei einige ARBÖ-Verhaltenstipps, um bei „Hitze“ gut durch den Sommer zu kommen:

  • Unbedingt ausreichend trinken (mindestens zwei Liter alkoholfreie Getränke wie Säfte, Mineralwasser oder Tee), denn bei Hitze verliert der Körper durch das Schwitzen innerhalb von nur einer Stunde bis zu drei Liter Flüssigkeit.
  • Fettige, üppige Mahlzeiten vermeiden. Sie belasten den Körper und machen müde.
  • Mehr Pausen einlegen, Beine vertreten, für Abkühlung sorgen.
  • Leichte, luftige Kleidung tragen
  • Wenn möglich, Fahrten in der Mittagshitze vermeiden, besser morgens oder abends fahren
  • Rechtzeitig Klimaanlage checken – eine Wartung sollte alle zwei Jahre durchgeführt werden (z.B. in den ARBÖ-Prüfzentren). Klimaanlage jedoch nicht zu sehr runter kühlen, auch das belastet den Kreislauf. Der Unterschied zwischen Außen- und Innentemperatur sollte nicht mehr als sechs Grad betragen. 
  • Batterien überprüfen – Hitze setzt ihnen ebenso zu wie Kälte.
  • Längere Aufenthalte im parkenden Auto vermeiden.
  • Eine Sonnenschutzblende aus Karton, die unter die Windschutzscheibe gelegt wird, bewirkt einen "Hitzeverlust" im Fahrzeuginneren von bis zu 25 Grad Celsius.
  • Silberbeschichtete Matten, die außen auf die Windschutzscheibe gelegt werden, reflektieren die Hitze und die Windschutzscheibe erwärmt sich nicht so stark.
  • Heruntergeklappte Sonnenblenden minimieren die Einstrahlung auf das Armaturenbrett.
  • Kindersitze mit Tuch abdecken. Direkte Sonneneinstrahlung kann den Bezugsstoff aufheizen. Sicherheitshalber mit der Hand die Temperatur überprüfen, bevor das Kind reingesetzt wird.
  • Vor dem Einsteigen alle Fahrzeugtüren öffnen und kurz durchziehen lassen.